Was bedeutet das für Unternehmen?
Die Schweiz hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt: Mit dem Klima- und Innovationsgesetz (KlG) ist das Netto-Null-Ziel bis 2050 gesetzlich verankert. Für Unternehmen bedeutet das eine tiefgreifende Transformation – nicht nur in der Produktion, sondern in der gesamten Wertschöpfungskette.
Während die Bundesverwaltung bereits 2040 klimaneutral sein muss, haben Unternehmen bis 2050 Zeit, ihre Emissionen (Scope 1 und Scope 2) auf null zu reduzieren. Die Uhr tickt – und die regulatorischen Anforderungen werden Jahr für Jahr strenger.
ESG-Reporting: Pflicht statt Kür
Parallel dazu verschärfen sich die Pflichten im Bereich ESG-Reporting. Seit 2024 müssen grosse Unternehmen in der Schweiz einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, der nichtfinanzielle Aspekte wie Umwelt, Menschenrechte und Korruptionsprävention abdeckt. Diese Berichte sind kein „Nice-to-have“ mehr, sondern eine gesetzliche Pflicht. Und die Anforderungen steigen: Der Bundesrat plant, die Schwellenwerte deutlich zu senken. Künftig sollen auch Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden sowie bestimmten Umsatz- und Bilanzsummen berichten – und zwar mit externer Prüfung. Der Start dieser erweiterten Pflicht wird frühestens 2027 erwartet.
Viele Schweizer Firmen sind zusätzlich indirekt vom EU‑Recht betroffen (z. B. CSRD/ESRS, CSDDD), etwa über Tochtergesellschaften, Lieferketten oder Kundenanforderungen. Darum ist es empfehlenswert, eine EU‑kompatible ESG‑Strategie zu entwickeln.
Warum das jetzt wichtig ist
ESG-Reporting ist mehr als Compliance. Es geht um Transparenz gegenüber Investoren, Kunden und der Öffentlichkeit. Studien zeigen, dass Unternehmen, die frühzeitig eine klare ESG-Strategie entwickeln, nicht nur regulatorische Risiken minimieren, sondern auch Wettbewerbsvorteile erzielen. Investoren achten zunehmend auf Nachhaltigkeitskennzahlen, und auch Banken knüpfen Kreditkonditionen an ESG-Kriterien. Wer hier nicht liefert, verliert an Attraktivität.
Die grösste Hürde: Daten und Komplexität
Die Herausforderung liegt in der Komplexität. ESG-Berichte erfordern eine Vielzahl von Daten – von Energieverbräuchen über Lieferketteninformationen bis hin zu sozialen Kennzahlen. Viele Unternehmen kämpfen mit fragmentierten Systemen und manuellen Prozessen. Hinzu kommt die Dynamik der Regulierung: Die Schweiz orientiert sich zunehmend an internationalen Standards wie den EU-ESRS und der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Wer heute nur die Schweizer Minimalanforderungen erfüllt, muss morgen womöglich doppelt investieren, um EU-konform zu werden.
Netto-Null und Reporting wachsen zusammen
Besonders spannend ist die Verbindung zwischen ESG-Reporting und dem Netto-Null-Ziel. Der Bund prüft derzeit, ob Unternehmen künftig verpflichtet werden, ihre Dekarbonisierungspläne direkt in den Nachhaltigkeitsbericht zu integrieren. Damit wird die Berichterstattung nicht nur rückblickend, sondern strategisch ein Instrument, um Fortschritte messbar zu machen und Investitionen zu steuern. Förderprogramme des KlG, die jährlich mehrere hundert Millionen Franken bereitstellen, setzen bereits heute einen Netto-Null-Fahrplan voraus.
Fazit: Jetzt handeln
Unternehmen sollten jetzt handeln. Der erste Schritt ist eine Betroffenheitsanalyse: Welche Pflichten gelten heute, welche in drei oder fünf Jahren? Danach folgt die Wesentlichkeitsanalyse, um Risiken und Chancen zu priorisieren. Parallel dazu gilt es, eine Governance-Struktur aufzubauen, die ESG-Themen nicht isoliert, sondern in die Unternehmensstrategie integriert. Und schliesslich: Daten. Ohne belastbare Datenbasis sind weder Berichte noch Netto-Null-Roadmaps möglich. Hier entscheidet sich, ob ESG zur Pflichtübung oder zum Wettbewerbsvorteil wird.
Im nächsten Artikel zeigen wir, wie Unternehmen genau das schaffen: eine Datenstrategie, die nicht nur Compliance sichert, sondern echte Steuerungsimpulse liefert.